Die Handballer des SC 04 Schwabach mussten seit vielen Jahren mit dem Makel „unaufsteigbar“ leben. Bis sich die Verantwortlichen an einen Mann erinnerten, der weiß, wie man den Sprung in die Landesliga schaffen kann. Seit dieser Saison zeichnet Georg Lutsch für die sportliche Entwicklung der ersten Schwabacher Männermannschaft verantwortlich. Und auf Anhieb wurde der Traum vom Aufstieg war.

Damit schließt sich auch ein Kreis, denn bereits als Spieler des (damals noch) TSV 04 und Teil einer „goldenen Schwabacher Handball-Generation“ stieg er in die Landesliga auf, die 1979, im Jahre des 75-jährigen Vereinsjubiläums noch Verbandsliga hieß. Trainer war der unvergessene Werner Schrödel, der eng verbunden war mit dem Aufschwung des Handballsports in Schwabach. Schrödel bildete das Team in der Jugend aus und formte eine Mannschaft, die sich damals ebenfalls einen großen Traum erfüllte: Meisterschaft und Aufstieg. Zum ersten Mal überhaupt bestritt der TSV 04 eine Saison in der Verbandsliga. Wohl gemerkt in der Halle, im Feldhandball war diese Spielklassenebene nicht unbekannt.

„Uns fehlte ein einziges Törchen“

„Es war eine tolle Zeit!“ erinnerte sich Georg Lutsch. „Im ersten Jahr schafften wir den Klassenerhalt, doch in der zweiten Verbandsliga-Saison fehlte uns dafür ein einziges Törchen! Wir mussten wieder absteigen.“ Es war eine bittere Erfahrung für ihn und seine Mannschaftskameraden, die sich in dieser Weise wohl nicht mehr wiederholen wird, denn inzwischen gibt es ja den direkten Vergleich.

Auf die Frage, wie er denn Spielstärke der beiden Aufstiegsmannschaften und Ligen damals und heute einschätzen würde, fand Georg Lutsch nicht auf Anhieb eine Antwort: „Das ist schwer zu sagen und ist miteinander kaum zu vergleichen. Auch der Handball hat sich natürlich weiterentwickelt. Der Unterschied zu früher? Das Spiel ist schneller geworden! Heute musst du wirklich 60 Minuten lang auf dem Parkett Gas geben.“ Unter seiner Leitung als Trainer habe dies seine Mannschaft in dieser Saison sehr gut umsetzen können. „Wir hatten einen ganz tollen Lauf zu Beginn der Saison. In der Vorrunde haben wir alles gewonnen, doch dann kam plötzlich der Bruch. Es ist nicht leicht, die Konzentration in einer Saison permanent hoch zu halten. Auch uns ist das nicht gelungen“, brachte es Lutsch auf den Nenner. Ihre erste Niederlage kassierten die Schwabacher im zweiten Spiel der Rückrunde mit einem Tor (22:23) im Hexenkessel des ESV Flügelrad Nürnberg. Zwei Wochen später folgte ein 31:34 bei der HG Ansbach, und nach dem 26:27 gegen HG Zirndorf war dann auch die Tabellenführung weg. Der große Rivale HSG Lauf/Heroldsberg II setzte sich an der ersten Position fest. Kein Beinbruch, dachte man, denn die Laufer „Zweite“ durfte ja nicht aufsteigen in die Landesliga, weil ja dort bereits die „Erste“ der HSG ihre Kreise zieht. So jedenfalls Konstellation vor Corona. An dieser Tatsache sollte sich trotz zwischenzeitlicher Bedenken nach dem Saisonabbruch auch nichts mehr ändern.

Nach der dritten Niederlage mussten die Schwabacher Handballer in der Bezirksoberliga trotzdem wieder in die Spur finden, zumal die Konkurrenz dahinter plötzlich Lunte gerochen hatte. Trainer Georg Lutsch war vor allem damit beschäftigt, seine Spieler auf Kurs zu bringen.

Es gelang ihm, in den Schlüsselspielen gegen Rothenburg II und die SG Kernfranken riefen die Schwabacher wieder ihr gewohntes Leistungsvermögen ab. „Gerade gegen die SG Kernfranken waren wir gefordert, nachdem die natürlich plötzlich ihre Chance witterten, uns den zweiten Tabellenplatz streitig zu machen“, blickte Lutsch. Deutlich mit 27:21 gewannen die SC-04-Handballer das Spitzenspiel in der Goldschlägerhalle und schufen sportlich wieder klare Verhältnisse. Vier Punkte betrug der Vorsprung der Schwabacher gegenüber dem Tabellendritten. Vier Spieltage vor Schluss hätte es schon mit dem Teufel zugehen müssen, dieses Polster noch zu verspielen. Zumal ja die alte Form mehr oder weniger wieder zurück war.

Das Rechnen blieb den Handballern wegen des Saisonabbruchs erspart. Die Meisterschaft ging an die HSG Lauf/Heroldsberg II, doch dies konnte man angesichts des nun feststehenden Aufstiegs ganz gut verkraften, hätte es ja bei einem regulären Saisonverlauf noch das Rückspiel zwischen den beiden führenden Mannschaften gegeben. Das Hinspiel in eigener Halle hatten die Schwabacher mit 32:30 gewonnen.

Triumph im Bayerischen Pokal

Egal, die Saison war so gelaufen, wie es sich Trainer Georg Lutsch im Vorfeld ausgemalt hatte: „Einen Aufstieg kann man zwar nicht planen, aber es war unser Ziel, um die Meisterschaft mitzuspielen. Das haben wir geschafft!“ Und mehr noch: Auch dem Pokalwettbewerb setzten die Schwabacher ihren Stempel auf: „Wir qualifizierten uns für das Final Four auf Bayerischer Ebene und holten auch noch den Pokal!“ Auf dem Weg dorthin hatten sich die SC-04-Handballer unter anderem mit 36:29 gegen Bayernligist TV Erlangen- Bruck durchgesetzt. Im Final Four auf Bayerischer Ebene konnte man das Turnier in Rödental für sich entscheiden. Nach zwei umkämpften Partien gegen die Landesliga-Mannschaft des TSV Allach — 28:27 (25:25) nach Siebenmeterentscheidung — und im Finale gegen Gastgeber HSG Rödental-Neustadt (28:26) ging der Pokal mit in die Goldschlägerstadt. In der ersten Runde des DHB-Pokals war dann allerdings Endstadion. Schwabach verlor beim Vertreter der Südbadenliga, TuS Helmlingen, klar mit 24:32.

Alles in allem ein sehr erfolgreiches Spieljahr für die Handballer des SC 04, die sich nun auf eine Saison in der Verbandsliga freuen dürfen. „Die Landesliga ist zwar eine ganz andere Nummer“, weiß Georg Lutsch, „aber uns ist nicht bange vor dieser neuen Herausforderung.“ Die erfolgreichen Auftritte im Pokal lassen erahnen, dass die Schwabacher dieser Herausforderung gewachsen sein werden.