Standesgemäß! Mit 32:18 (20:9) haben die Landesliga-Handballerinnen des SC 04 Schwabach ihr Heimspiel gegen nach wie vor punktlosen Aufsteiger TSV Wendelstein gewonnen. Es hätte noch viel deutlicher werden können, wenn die Gastgeberinnen nach dem Wechsel so weitergemacht hätten wie in den ersten 30 Minuten. Aber das reine Ergebnis war nur ein Aspekt in diesem Nachbarschaftsduell. Das Derby war ja auch ein Spiel „Grüßner gegen Grüßner“. Auf Schwabacher Seite Marcus Grüßner, der Trainer des Tabellenfünften. Auf Wendelsteiner Seite Birgit Grüßner, die Frau des Trainers. „Ein bisschen war das schon ein komisches Gefühl, gegen die eigene Frau coachen zu müssen“, räumt der Trainer ein. „Auf der anderen Seite haben wir uns auch auf das Spiel gefreut. Und es ist ja auch ganz gut geworden.“ Ganz gut ist es natürlich vor allem aus Schwabacher Sicht geworden. Die „Roten“ überrannten in der Anfangsphase ihren Gegner regelrecht. Schon nach dem 5:0 (6.) bestand kaum mehr ein Zweifel am Sieg des Favoriten. Schwabach nahm sich eine erste kleine Verschnaufpause (8:4, 9.),um dann wieder in dieVollen zu gehen (17:4, 22.).

Ganz so schlimm wurde es nicht

Spätestens da musste man ganz Schlimmes für das Schlusslicht aus Wendelstein befürchten. Vorne warf der Neuling viel zu viele Bälle überhastet weg, hinten stand er den Tempogegenstößen der Schwabacherinnen weitgehend hilflos gegenüber. Und Torhüterin Lilli Nägele brachte gegen frei vor ihr auftauchenden Spielerinnen kaum einmal eine Hand oder einen Fuß an den Ball.

In dieser Phase wurde deutlich, warum Wendelstein in der Landesliga bislang auf verlorenem Posten steht. Doch TSV-Trainer Tim Schemm will die Flinte nicht ins Korn werfen. Selbst der am Ende klaren Niederlage versuchte er noch etwas Positives abzugewinnen. „Immerhin sind wir nach 20 wirklich fürchterlichen Minuten nicht vollends auseinandergefallen.“ Dass es für sein Team nach dem Aufstieg so gar nicht funktionieren will, liegt nach Meinung von Schemm gar nicht mal an der Qualität des Teams. Schließlich habe man in der Vorbereitung auch gegen Bayernliga- Mannschaften richtig gut mithalten können. Es sei aber halt eine Kopfsache. In der Liga habe man gut angefangen, aber mehrfach knapp verloren. Mit jeder Niederlage würden sich die negativen Gedanken mehr in den Kopf seiner Spielerinnen hineinfressen. „Der Glaube an den Sieg ist derzeit einfach weg.“ Gegen Schwabach, das muss man hier sagen, hätte aber auch ein fester Glaube keine Berge versetzt. Zu überlegen waren die Gastgeberinnen, bei denen es derzeit genau andersherum läuft. Erstens sind derzeit fast alle Spielerinnen an Bord, auch Abwehrchefin Amelie Rapke, sie phasenweise den Examens-Lernstress den weiten Auswärstfahrten vorgezogen hat. Nach einem etwas holprigen Beginn hat Schwabach wieder in die Erfolgsspur gefunden, und mit jedem Erfolg wächst jetzt das Selbstbewusstsein. „Im Moment rufen viele Spielerinnen ihre Leistung ab“, lobt Trainer Grüßner. „Wir treffen, anders als in der Anfangsphase der Saison, wieder von allen Positionen.“ Handball, sagt Grüßner und stimmt damit seinem Kollegen Schemm zu, sei halt Kopfsache. „Noch vor ein paar Wochen standen wir auf dem Feld und hatten Angst, dass wir verlieren könnten. Jetzt gehen die Mädels raus und freuen sich, dass sie gewinnen können.“ Das Gewinnen gegen Wendelstein war nicht allzu schwer. Nach dem 17:4-Vorsprung träumten die Anhänger des SC 04 schon von 40 oder gar 50 Toren. Doch Grüßners Mannschaft ließ ein bisschen nach und Wendelstein kam, insbesondere durch Jana Stigler, jetzt doch zu ein paar schönen Treffern aus der Distanz.

Trotzdem: 20:9 führte Schwabach zur Halbzeit. Vielleicht war das ein bisschen zu hoch. Denn nach dem Wechsel erlahmte der Angriffsschwung der Einheimischen. Für die 150 Zuschauer auf den Tribünen der Goldschlägerhalle wurden jetzt noch 30 recht zähe Minuten aufgeführt. „Das hat mir nicht so gut gefallen“, räumte Marcus Grüßner hinterher ein. Aber so richtige Vorwürfe konnte er seiner Mannschaft nicht machen. Auch das sei Kopfsache. „Du willst es nicht, aber bei einer so klaren Führung schaltest du ganz automatisch einen Gang zurück.“ Das von einigen erwartete Schützenfest blieb damit aus, auch weil Wendelsteins Keeperin Nägele jetzt viel besser im Spiel war. Fast hätte Wendelstein sogar die zweite Hälfte für sich entschieden, Trainer Schemm nahm kurz vor Schluss deswegen sogar noch eine Auszeit. Doch es blieb beim Konjunktiv, am Ende war der Gast mit dem 32:18 noch gut bedient.

Und jetzt? Schwabachs Trainer Grüßner schielt mit einem Auge noch auf die vorderen Plätze. Am Samstag ließen die beiden Top-Teams Punkte liegen, es fehlt nicht mehr viel, dann ist der SC 04 wieder in Schlagdistanz. „Wir schauen jetzt mal, was die nächsten Wochen noch bringen“, sagt er.

KollegeSchemm mussderweil weiter Seelenmassage betreiben. Und auf den Umschwung hoffen. „Zwei Spiele haben wir noch vor Weihnachten“, betont er, „beide gegen Teams, gegen die wir bestehen könnten.“ Sollten dann tatsächlich die ersten Siege herausspringen, dann wäre der Klassenerhalt wieder realistisch.

Und wenn nicht? „Dann“, sagt Tim Schemm, „geht bei uns in Wendelstein die Welt auch nicht unter.“

Es spielten:

Klier, Lorber (Tor), Czöppan (5), Rapke (5), Wälzlein (4/1), Dornisch, Häusler (3), Bludau (2), Schlegl (2), Meier zu Wickern (1), Lehner (2), Lubach (8)

Impressionen vom Spiel gegen den TSV Wendelstein: