Der Verbands-Spielausschuss des Bayerischen Handball-Verbandes segnete den Aufstieg des SC 04 Schwabach in die Landesliga ab.

Der Umgang mit der Corona-Pandemie ist für die Sportverbände kein Pappenstiel. Der Deutsche Handball Bund und auch seine Landesverbände haben entschieden, die Saison zu beenden und die sportliche Situation in den Spielklassen über einen Quotienten (Punktezahl dividiert durch die Anzahl der der Spiele mal 100) zu klären.

So weit, so gut; in der Bundesliga mag das ja reibungslos geklappt haben. Der THW Kiel als — Stand 13. März — Tabellenführer der HBL wurde zum Deutschen Meister erklärt. Noch viel einfacher das Prozedere übrigens im internationale Wettbewerb. In der Handball-Champions-League, die wegen Corona verschoben wurde, zählt der THW zu den vier Mannschaften, die am 28./29. Dezember in Köln das Final-Four-Turnier bestreiten sollen. Qualifiziert sind die Kieler als einer der jeweils zwei Gruppenbesten. Achtel- und Viertelfinale wurden komplett gestrichen.

Anstrengende Suche nach Aufsteiger

In solchen Dingen scheint man im Handball also ziemlich großzügig zu sein, während sich die Kicker ja über eine Restsaison mit Geisterspielen einig sind und nurmehr die Politik einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Die Suche nach einem Aufsteiger aus der Handball-Bezirksoberliga der Männer in Mittelfranken erforderte dann schon etwas mehr Anstrengung sowie eine zusätzliche Sitzung des Spielausschusses im Bezirk Mittelfranken am Montagabend, wo die letzten offenen Fragen geklärt werden sollten und auch geklärt wurden.

Beispielsweise die, ob denn — wie übrigens im Vorfeld der Saison reglementiert — der Tabellenzweite anstatt des Meisters HSG Lauf/Heroldsberg II in die Landesliga aufsteigen dürfe, weil dort eben die „Erste“ der HSG bereits spielt. Im Regelwerk war vor der Saison nachzulesen: „Regelzahl der Bezirksoberliga sind elf Mannschaften. Der Meister steigt direkt in die Landesliga auf. Kann der Meister nicht aufsteigen oder verzichtet er auf den Aufstieg, kann nur der Tabellenzweite das Aufstiegsrecht wahrnehmen“.

Die Corona-Pandemie und die auf Grund des Saisonabbruchs geltende BHV-Regelung gaben den Aufstiegswilligen beim SC 04 Schwabach mehr und mehr zu denken. Insbesondere der Satz, „es wird nach den jeweils gültigen Durchführungssbestimmungen die minimal mögliche Aufsteigerzahl gewählt“ wurde beim SC 04 auf verschiedene Weise interpretiert und ließ letztlich Zweifel an einem guten Saisonende aufkommen. Abteilungsleiter Andreas Mari: „Der für die Bezirksoberliga zuständige Spielleiter hat uns zwar gesagt, dass wir keinerlei Bedenken hätten haben müssen, aber dafür freuen wir uns jetzt um so mehr über den Aufstieg!“ Seit Montagabend ist also klar: Der amtierende bayerische Pokalsieger SC 04 Schwabach steigt in die Landesliga auf. In einer ersten Reaktion auf Facebook ließen sich es die Schwabacher nicht nehmen, auch dem Meister HSG Lauf/Heroldsberg II zu ihrer Meisterschaft zu gratulieren. Den Hinweis, dass „wir gerne mit euch noch um den Titel gespielt hätten“, konnten sich die Schwabacher indes nicht verkneifen. Denn: In der Hinrunde hatte der SC 04 den Vergleich mit der HSG mit 32:30 gewonnen, das Rückspiel konnte wegen Corona nicht mehr gespielt werden.

Ein virtuelles Aufstiegsbier

Nach einer grandiosen Saison (mit einer kleinen Schwächephase) geht es nun seit Jahrzehnten wieder in die Verbandsliga. Eine Krönung für die Mannschaft und den Trainer Georg Lutsch, die „für den Erfolg alles gegeben haben“, so Andreas Mari. „Wir sind überglücklich und freuen uns auf eine eskalierende Aufstiegsfeier — natürlich erst dann, wenn es wieder erlaubt ist!“ Die Aufstiegsfeier muss wegen Corona jetzt natürlich noch warten. „Wir werden uns heute Abend trotzdem treffen“, ließ der Trainer wissen, „allerdings nur im Internet zu einem virtuellen Bierchen!“ Für den Schwabach Coach ging ein Traum in Erfüllung. 41 Jahre, nachdem Georg Lutsch als Spieler mit dem TSV 04 Schwabach den Sprung in die Verbandsliga (jetzt Landesliga) geschafft hatte, gelang ihm jetzt als Trainer das gleiche Kunststück.

So endet ein turbulentes Handballjahr für die Schwabacher doch noch mit einem Happy-End, auch wenn sich die Damen den Lohn für eine ebenfalls hervorragende Saison in der Landesliga nicht abholen konnten. Wegen des verlorenen direkten Vergleichs mit dem Post-Nürnberg reichte es für die Schützlinge von Marcus Grüßner nur zum undankbaren dritten Platz. Die Nürnbergerinnen dürfen wie der Zweite der Landesliga Süd direkt in die Bayernliga.

Die 2. Damenmannschaft des SC 04 ist souveräner Bezirksliga-Meister und steigt in die Bezirksoberliga, auf, während die 2. Herrenmannschaft den Platz der „Ersten“ in der Bezirksoberliga nicht einnehmen darf, weil sie in der Rückrunde einfach zu wenig Punkte eingefahren hat.